11.01.2018 - 10:12 Uhr

Unangekündigte Kassennachschau

Kassennachschau ist Realität!

Das Gesetz zum Schutz vor Manipulationen an digitalen Grundaufzeichnungen erlaubt seit Jahresbeginn die sog. Kassennachschau. Die IHK wies bereits in der WiM 12/2017 auf diesen Sachverhalt hin.

Die Finanzämter sind berechtigt, seit Anfang Januar die sog. unangekündigte Kassennachschau durchzuführen, ähnlich wie bei der Umsatzsteuer- oder Lohnsteuernachschau. Dies ist eine nicht angekündigte Prüfung der Finanzverwaltung in den Geschäftsräumen (keine Wohnräume!) während der üblichen Geschäftszeiten. Davon betroffen sind sowohl die offene Ladenkasse, wie auch elektronische Kassensysteme. Dabei werden nicht nur die ordnungsgemäße Funktionsweise der Kasse selbst, sondern sowohl auch Organisationsunterlagen hierzu, als auch Aufzeichnungen und Bücher überprüft. Bei der sog. „offenen Ladenkasse“ darf auch ein Kassensturz verlangt werden.

Es sei explizit darauf hingewiesen, dass anonyme Testkäufe in öffentlich zugänglichen Räumen durch die Prüfer ebenfalls zulässig sind.

Die Kassennachschau (§ 146b Abgabenordnung) ist zwar keine Außenprüfung im Sinne von § 193 Abgabenordnung. Bei Unregelmäßigkeiten darf der Prüfer aber sofort zu dieser übergehen, die dann auch das gesamte Unternehmen betrifft. Sollten sich diese bestätigen, kann die Buchführung angegriffen werden, sodass das Risiko der Schätzung entsteht. Ab 2020 kommen auch neue Bußgeldtatbestände dazu, so beispielsweise bis zu 5.000 Euro bei Verstößen gegen die Ordnungsvorschriften, bei leichtfertiger Steuerverkürzung sogar bis zu 20.000 Euro.

Unternehmer müssen somit darauf achten, dass die Kassenbücher sorgsam geführt werden, Kassensysteme gegebenenfalls aktualisiert und Organisationsunterlagen stets griffbereit sein müssen. Gleichzeitig sollten sie sich den Prüferausweis des Finanzbeamten zeigen lassen. Ein Finanzbeamter wird nie eine Steuernachforderung bar einfordern. In einem solchen Fall ist ein Betrüger am Werk.