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Rohstoffpolitik

Laut einer Umfrage der IHK Würzburg-Schweinfurt befürchten 76,6 Prozent der mainfränkischen Unternehmen steigende Rohstoffpreise und mehr als die Hälfte der Befragten messen einem unsicheren Rohstoffzugang mehr Bedeutung bei als bisher. Aufgrund der Volatilität der Rohstoffpreise, abhängig von wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, rücken folglich die Rohstoffsicherung und Rohstoffbeschaffung vermehrt in den Fokus unternehmerischen Handelns. Dies wird schon aufgrund sicherer und längerfristiger Planungen äußerst wichtig.

Zu Jahresbeginn 2012 waren vor allem die seltenen Erden ein Synonym für Rohstoffverknappung und Preissteigerungen. Eine nahezu Monopolstellung Chinas in Verbindung mit Exportbeschränkungen führten dazu, dass das Thema Rohstoffe ins Bewusstsein der Unternehmen und der Medien gerückt ist. In der Folge wurden einige Anstrengungen unternommen Rohstoffquellen außerhalb Chinas zu erschließen. So sollen, was die seltenen Erden betrifft, Minen in den USA und Australien wiedereröffnet werden. Und sogar hierzulande werden durch die Seltenerden Storkwitz AG Erkundigungen vorangetrieben einige dieser sehr vielseitig einsetzbaren Metalle zu fördern.

Aber Rohstoffe sind nicht nur seltene Erden! Um längerfristig die Versorgung für die deutsche Wirtschaft zu erleichtern, ist die deutsche Bundesregierung Rohstoffpartnerschaften mit den Ländern Mongolei und Kasachstan eingegangen, welche beide überaus reich an Bodenschätzen sind. Gleichzeitig haben Vertreter vor allem der Industrie eine Rohstoffallianz gebildet, die es sich zur Aufgabe macht Rohstoffstandorte zu erkunden und sich an Minen zu beteiligen.

Rohstoffimporte

Im Jahr 2010 wurden in Deutschland Rohstoffe im Wert von 138 Mrd. Euro verwendet. Der Großteil entfiel auf Energierohstoffe wie Erdöl und Erdgas. Aber immerhin knapp die Hälfte mit einem Wert von rund 66 Mrd. Euro wurde für nicht-energetische Rohstoffe aufgebracht.

Die einheimische Produktion wird vor allem bestimmt durch Steine, Sand oder Kies. So gesehen ist Deutschland nicht das rohstoffarme Land, als das es oft bezeichnet wird. Vor allem Industriemineralien wie Kalisalz und Schwefel werden in nicht unerheblichem Anteil exportiert.

Die Importabhängigkeit zeigt sich neben den Energierohstoffen vor allem bei metallischen Rohstoffen und Erzen sowie den für eine Vielzahl hochtechnologischer Anwendungen wichtigen seltenen Erden Elementen.

Ressourceneffizienz

Um diesen Abhängigkeiten in gewissem Maße zu begegnen setzt die Bundesregierung im Deutschen Ressourceneffizienzprogramm (ProgRess) vom Februar 2012 und dessen Fortschreibung 2014 auch auf die Säulen Ressourceneffizienz und Wiederverwertung. Bei beidem ist Deutschland im weltweiten Vergleich schon vorne mit dabei. Die Rohstoffproduktivität ist von 1994 bis 2008 bereits um 39,6 Prozent gesteigert worden. Das bedeutet um Produkte herzustellen und unseren Lebensstandard zu erhalten werden mehr als ein Drittel weniger Rohstoffe verbraucht als noch vor 18 Jahren. Der Materialeinsatz ist trotz steigendem BIP rückläufig, dennoch wird geschätzt, dass eine Steigerung der Materialeffizienz um 20 Prozent durchaus machbar sei. Damit gehen enorme Kosteneinspareffekte einher. Denn analog zur Energieeffizienz ist jedes nicht benötigte Kilogramm Material auch ein betriebswirtschaftlicher Gewinn.

Recycling

Auch das Recycling steht hoch im Kurs. Das Wort urban mining findet zunehmend Eingang in den deutschen Sprachgebrauch. So hatte das bayerische Umweltministerium Handysammelaktionen durchgeführt um für das Thema der heimischen Rohstoffquellen zu sensibilisieren. Auch wenn sich die Wiedergewinnung seltener Erden Elemente und anderer Rohstoffe aus Handys aktuell noch als wirtschaftlich und technisch schwierig erweist, so sollten diese Quellen erschließbar gehalten werden.

Anders sieht es dagegen bei Rohstoffen wie Glas, Papier und Kunststoffen aus privatem und gewerblichem Abfall aus. Die tatsächlichen Recyclingquoten liegen bereits jetzt über den gesetzlichen Zielvorgaben.

Durch Recycling und Rohstoffeffizienz lässt sich die Abhängigkeit von Rohstoffimporten nicht ausschalten, doch für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen sind diese Punkte von relevanter Bedeutung.

Je frühzeitiger sich die Wirtschaft in allen Fragen der Rohstoffsicherung und der Rohstoffeffizienz intensiv engagiert, desto weniger riskant ist die Volatilität der Rohstoffpreise für das unternehmerische Handeln.

Ansprechpartner

Jacqueline Escher

M. Sc. Geographie

Referentin Umwelt und Energie

Würzburg

Telefon: 0931 4194-364

E-Mail: jacqueline.escher@ wuerzburg.ihk.de

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